Affenpocken

Was tun bei Verdacht auf Affenpocken

 

Durch die ungewöhnliche Häufung von Affenpocken-Infektionen in Europa in den letzten Tagen, die mittlerweile auch in verschiedenen Städten in Deutschland auftreten, empfiehlt das Robert-Koch-Institut bei Personen mit unklaren pockenähnlichen Effloreszenzen oder Läsionen eine Infektion mit Affenpocken in die erweiterten differentialdiagnostischen Überlegungen einzubeziehen.

Die Effloreszenzen beginnen häufig im Gesicht – bei den aktuellen Fällen auch genital – und breiten sich dann auf andere Körperteile aus. Sie durchlaufen gemeinsam die Stadien Macula, Papula, Vesicula, Pustula und Crusta.

Differentialdiagnostisch kommen vor allem Windpocken, Zoster, Herpes simplex oder auch eine Syphilis in Frage. Die Effloreszenzen sind über alle Stadien hinweg infektiös. Eine Transmission ist auch durch weitere Körperflüssigkeiten, wie z. B. ausgeschiedene Atemwegssekrete möglich – allerdings nur bei engem Kontakt zu Infizierten – oder direktem Kontakt zu infektiösem Material. Bei den aktuellen Fällen werden Infektionen disproportional häufig bei Männern, insbesondere nach Sexualkontakt zu anderen Männern, beobachtet. Das Virus wird im Gegensatz zu SARS-CoV-2 nicht leicht von Mensch zu Mensch übertragen, sondern vor allem durch sehr engen Kontakt, wenn Menschen im gleichen Haushalt leben, und vermutlich auch sexuell. Das Infektionsrisiko im Alltag wird dagegen gering eingeschätzt.

 

Die Diagnostik von Verdachtsfällen

führt u. a. das Konsiliarlabor für Pockenviren des RKI durch. Mittel der Wahl ist eine PCR aus Exsudat, Bläschenflüssigkeit, Pustelinhalt oder Krusten. Hierfür wird mit einem trockenen Tupfer (kein Geltupfer) etwas Flüssigkeit der Läsionen aufgesaugt. Sind nur noch trockene Krusten vorhanden, dann können diese mit einer Pinzette vorsichtig abgelöst und in ein Probengefäß gegeben werden. Zum Selbstschutz wird das Tragen von Handschuhen, eines wasserfesten Einmalkittels, einer FFP2-Maske und einer Schutzbrille empfohlen. Anschließend die Händedesinfektion und Desinfektion der Arbeitsflächen nicht vergessen.

 

Der Transport von Probenmaterial

unterliegt speziellen Anforderungen, insbesondere wenn ein begründeter Verdacht auf eine Affenpocken-Infektion besteht oder die Infektion bereits bekannt ist.

Für die Affenpocken-Diagnostik

muss daher mit dem Konsiliarlabor vorab besprochen werden, ob eine Inaktivierung der Proben möglich ist und unter welchen Transportvorschriften das Material verschickt werden kann.

Eine Diagnostik auf weitere Erreger ist aus dieser Probe nicht mehr möglich und erfordern eine erneute Probenabnahme.  Auch diese weiteren Proben müssen bei einem bestehenden Verdachtsfall auf Affenpocken immer separat und vorschriftsmäßig verpackt und verschickt werden und sollten von außen deutlich als Affenpocken-Verdachtsfall gekennzeichnet sein, um eine fachgerechte Bearbeitung sicherzustellen. Wenn es klinisch vertretbar ist, dann sollte die weitere Differentialdiagnostik erst nach dem Ausschluss einer Affenpocken-Infektion erfolgen. Im Zweifel informieren Sie uns bitte vorab, um gemeinsam das Vorgehen zu besprechen.

Meldepflicht

Bereits der Verdacht auf eine Infektion muss dem Gesundheitsamt vom betreuenden Arzt gemeldet werden!

 

Weiterführende Informationen

Robert-Koch-Institut
MSD Manual